Das Energiesystem der Zukunft - und was man als Privatperson tun kann

Julius Aka

1 Vorstellung

  • Julius Aka, 28 Jahre alt
  • Doktorand am Lehrstuhl für Mechatronk der Universität Augsburg
  • Thema: Energiesystemsimulation und Scientific Machine Learning (“KI”)
  • Master in Energietechnik (Maschinenbau), TU Hamburg
    • Auslandsjahr an UC Berkeley, Kalifornien
  • Bachelor in Allgemeine Ingenieurwissenschaften, TU Hamburg
    • Vertiefung Energie- und Umwelttechnik
  • Tätigkeiten bei XRG-Simulation, Siemens Gamesa, Institut für technische Thermodynamik
  • Deutschlandstipendien 2017-2022, VDI-Preis Hamburg, (BA & MA), bidt graduate center Stipendiant

2 Einführung

2.1 Die Klimakatastrophe

  • wesentliche Treibhausgase:
    • \(\text{CO}_2\)
    • Methan, ca. 80x klimaschädlicher als \(\text{CO}_2\) über 20 Jahre
    • weitere: Lachgas, F-Gase, …
  • Emissionsbudget
  • Wesentlich mehr fossiler Brennstoffe, als die Erde verkraften kann

2.2 Emissionen weltweit

  • Peak ist noch nicht erreicht [1]
  • China: Erfolg der EE im Stromsektor [2]

2.3 aktueller Stand der Zielerreichung

Stand der Energiewende in Deutschland 2025 [3]
  • Energiewirtschaft (Stromerzeugung) auf Kurs
  • Industrie: Effizienzgewinne und Verlagerung ins Ausland (Bezugsjahr 1990)
  • Verkehr & Gebäude: großer Nachholbedarf
  • Climate Action Tracker:

3 Energiequellen der Zukunft

3.1 “Primärenergie” der Zukunft

  • Photovoltaik und Wind \(\rightarrow\) Strom: “All Electric Society”
  • eher nicht:
  • ganz sicher nicht:
    • Kernenergie (Energiewende jetzt nötig, nicht in 20 Jahren, Bauzeiten)
    • Kernfusion (aus selbem Grund)

3.2 Boom von Wind & Solar weltweit

[6]

  • Boom von Solar und Wind weltweit
  • Wasserkraftspotenziale in Deutschland ausgeschöpft
    • Vorteile:
      • Regelbarkeit
      • in begrenzten Umfang Speicherfähigkeit

3.3 Solar & Wind sind am günstigsten

Kosten pro erzeugter kWh Strom [7]
  • Solar und Wind sind in Deutschland am günstigsten
  • Biogas nach Nuklearenergie teuerste Form der Stromerzeugung
    • Folgen für Biodiversität & Konkurrenz mit weltweiter Nahrungsmittelproduktion
  • meine Meinung:
    • besser PV (32x mehr Strom) bzw. Wind (850x mehr) [8]
    • ggf. in Kombination mit Wasserstoffproduktion

erneuerbare Stromerzeugung in Deutschland 2024 [9]

  • Wind & Solarenergie ergänzen sich im Jahresverlauf
  • jedoch: Wind deutlich volatiler, Feb. 2025 z.B. 9GWh anstatt 16GWh 2024

3.4 Wind

Wochenverlauf stark abhängig von Wetter [9]

Produktion pro Tag im bisherigen 2026 [9]
  • \(\rightarrow\) Starkwindphasen über mehrere Tage senken den Börsen-Strompreis deutlich
  • \(\rightarrow\) Flauten erhöhen den Strompreis deutlich (v.a. im Winter)

3.5 Sonne

Produktion mit Peak am Mittag [9]

Produktion pro Tag im bisherigen 2026 [9]
  • \(\rightarrow\) täglicher Peak der PV Erzeugung
  • \(\rightarrow\) im Sommer regelmäßig mittags geringste Börsen-Strompreise

3.6 Bioenergie

Biogaserzeugung & fossile Kraftwerke vs. Börsenstrompreis: fixe EEG-Vergütung verhindert Flexibilisierung [9]

  • ungenutztes Potenzial: keine Flexibilisierung durch fehlende Anreize bei Bestandsanlagen (EEG-Vergütung zeitlich konstant)
  • hohe Umrüstungskosten (zusätzliche BHKW und Gasspeicher)

4 Wärmepumpen und Elektromobilität

“Das beste was der Effizienz je passiert ist”

Puzzlestück 1: Energieverbrauch verringern

4.1 Elektromobilität

  • fossile Mobilität: 20-40% Wirkungsgrad
  • elektrische Mobilität: 80-90% Wirkungsgrad
    • \(\rightarrow\) Faktor 3 effizienter
    • Emissionsabnahme über Lebenszyklus durch fortschreitende Dekarbonisierung der Stromerzeugung

Reichweite mit 15kWh Strom [10]

4.2 Wärmepumpen

  • fossile Heizung: 80-90% Wirkungsgrad
  • Wärmepumpe: 300-700% Wirkungsgrad (COP 3-7)
    • Wirkungsgraddefinition \(\text{COP} = \frac{\text{Nutzen}}{\text{Aufwand}}\), Umweltwärme kostenlos, nur Strom als Aufwand
    • \(\rightarrow\) Faktor 4-8 effizienter als Heizung
    • Emissionsabnahme über Lebenszyklus durch fortschreitende Dekarbonisierung der Stromerzeugung
  • mit E-Fuels heizen ist “politische Nebelkerze”

Funktionsweise einer Wärmepumpe: elektrische Energie wird genutzt, um die Energiedichte kostenloser Umweltwärme zu steigern [11]

4.3 Bedeutung für die Energiewende 1

  • Energieerhaltung
    • \(\sum E_{in} = \sum E_{out}\)
  • Energieflussdiagramm:
    • Primärenergie: Energie vor erster Umwandlung
    • Nutzenergie: Energie, die Aufgaben erfüllt (z.B. Heizen, Fahren)
  • 46% Verlust von Primär- zu Nutzenergie in Deutschland:
    • Verkehr, Kraftwerke, (Gebäudeheizung)
  • “Erneuerbare Energien erreichen 19% am Primärenergiebedarf” [12]

4.4 Bedeutung für die Energiewende 2

Pre- und Post Transformation Nutzenergiebedarf [13]

Effizienzgewinne in Industrie, Gebäude und Verkehr [13]
  • Wärmepumpen und Elektromobilität \(\rightarrow\) Halbierung des Endenergiebedarfs in Gebäuden und Mobilität, -40% Endenergiebedarf weltweit
  • Endenergiebedarf: Energie die von Verbraucher bezogen werden muss
  • “primary energy fallacy” [14]: Das Problem wird kleiner, je mehr wir uns ihm nähern

5 Sektorenkopplung und Speicher

Puzzlestück 2: Das was geht, an Erzeugung anpassen

Puzzlestück 3: Energie kurz- und langfristig speichern

5.1 Speicher (kurzfristig): Batterien

Wirkungsgrad: 95%

Jede Verdoppelung der Produktionskapazität hat zu 20% Preisreduktion geführt [15]

5.2 Was ist Power-to-X / Sektorenkopplung?

  • Verknüpfung von verschiedenen Energieträgern
  • Strom, Wärme und Rohstoffindustrie nicht mehr getrennte Systeme, sondern gekoppelt
  • Dreh- und Angelpunkt: Stromnetz

5.3 Power-to-Mobility

  • Zeitpunkt der Ladung von E-Autos, E-LKWs, E-Busse verschieben
  • meist geringe Komforteinbußen
  • Marginalerzeugungsansatz” (in einigen Studien)
  • großes Potenzial für bidirektionales Laden:
    • im Jahr 2030 könnte Deutschlands Strombedarf 18h lang komplett durch E-Auto Batterien gedeckt werden1

5.4 Power-to-Heat

  • Wärmepumpen privat
  • Großwärmepumpen (Fernwärme)
  • Power-to-heat mittels Elektrodenheizung (Fernwärme)
    • geringer Wirkungsgrad, aber auch geringe Investition \(\rightarrow\) negative Strompreise, Engpassmanagement
  • Hochtemperaturspeicher zum Puffern

5.5 Speicher (langfristige): Power-to-Gas

  • Wasserstoff-Herstellung
    • Energie-Speicher und Industrie-Rohstoff (chemische & Schwerindustrie)
    • Effizienz: ca. 65% Wirkungsgrad
    • Rückwandlung mit Brennstoffzelle: ca. 60%
      • \(\rightarrow\) >40% Gesamtwirkungsgrad
    • Hauptkosten: Strom
    • Handhabung teuer: Flüchtigkeit, hoher Druck, Explosionsgefah
  • weitere Gase, ggf. Herstellung Derivate
    • Umwandlung zu Methan
    • Ammoniak (\(\text{NH}_3\)) (Schiffahrt)
    • Power-to-Liquid (eFuels) \(\rightarrow\) Kerosin
      • Fischer-Tropsch-Verfahren
        • grob: \(\text{Wasserstoff} + \text{CO}_2 \rightarrow \text{Kraftstoffe} (\text{C}_{x}H_{y})\)
        • weitere Wirkungsgradverluste
  • Deutschland besitzt große Menge Gaskavernenspeicher (noch Erdgas):
    • 250TWh, zum Vergleich: 600TWh Strombedarf in Deutschland

5.6 Fazit

Kopplung von fluktuierender erneuerbare Erzeugung mit flexiblen Verbrauchern und Speichern

\(\rightarrow\) marktwirtschaftlicher Signale nötig, die Knappheit und Überfluss widerspiegeln

6 Strommarkt

zentraler Drehpunkt des zukünftigen Energiesystems: Elektrizität als “Primärenergie” der Zukunft

6.1 Aufbau der Stromnetze

Aufbau des Stromnetzes [17]

6.2 Europäisches Verbundnetz

Europäisches Verbundnetz [18]

  • größte Maschine der Welt
  • Vorteile:
    • geringere Preise
    • größere Systemstabilität

Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland [19]

6.3 Verteilnetzbetreiber (VNB)

  • Verteilnetzbetreiber: 851 Unternehmen [20]
    • Kritik: kleinteilige Struktur kann ineffizient sein
    • Gegenargument: lokale Nähe und kommunale Verankerung
    • mögliche Antwort: Kooperationen und gemeinsame Plattformen
  • Paragraf §14a EnWG - Auswirkungen auf Verbraucher
    • Schutz des Verteilnetzes vor Überlastung
    • Möglichkeit zum “Dimmen” in begrenzten Zeiträumen
    • Im Gegenzug Reduktion der Netzentgelte
    • Pflicht zum Netzausbau in betroffenen Gebiete

6.4 Charakteristika des Strommarktes

  • Markt ohne Möglichkeit zur Lagerhaltung
    • Bedingung: Erzeugung = Verbrauch
    • Abweichung: Veränderung der Netzfrequenz von 50Hz
  • Verbrauch ist netzgebunden - Monopol des Stromnetzbetreibers
  • keine eindeutige Zuordnung von Verbraucher zu Erzeuger
  • Strom ist (zumeist) Kuppelprodukt:
    • elektrische Energie + jederzeitige Verfügbarkeit der Energie

6.5 typischer Lastgang Deutschland

Lastgang der KW 16 2026 von energy-charts.info (Fraunhofer) [9]

  • Last in der Nacht niedrig
  • steigt bis zum Mittag an
  • Abflachen zum Nachmittag
  • Anstieg zum Abend
  • niedriger am Wochenende
  • zw. 40-70 GW

6.6 Strompreis- und Erneuerbare Energien

Börsenstrompreis (Day-Ahead) als Indikator für Knappheit oder Überfluss von Strom

6.6.1 Winter

energy-charts: Day-Ahead Börsenstrompreise über eine Woche im Winter [9]

    • ca. 160€/MWh Steuern, Netzentgelte und Umlagen
  • Preispeaks abends und morgens
  • am Wochenende günstigere Preise
  • nachts günstigster Strom verfügbar
  • Flaute & Sturm bestimmen Preisniveau des Tages

6.6.2 Sommer

energy-charts: Day-Ahead Börsenstrompreise über eine Woche im Sommer [9]

  • plus ca. 160€/MWh Steuern, Netzentgelte und Umlagen
  • Solarstromspitzen sorgen verlässlich für Minimum zur Mittagszeit
  • ausgeprägterer Peak abends, da rasches Absinken der PV-Erzeugung
  • PV-Überschüsse führen regelmäßig an Wochenende zu Null- oder Negativpreisen
  • Feiertage / lange Wochenenden stellen zunehmend Problem dar
    • Gründe: starre EEG-Vergütung, geringe Flexibilisierung, fehlende Speicher

6.7 Strommarkt nach Liberalisierung

  • Entflechtung von Erzeugung und Verteilung
  • Strom handelbar über:
    • Termingeschäfte, Power-Purchase Agreements (PPA) (langfristig, z.B. Jahre im Vorraus) [21]
    • Day-Ahead-Markt(in 15min Stücken, Gebotabgabe bis 12 Uhr am Vortag)
    • Intraday-Markt (in 15min Stücken, bis 30/5min vor Lieferung)
  • basierend auf Last- und Erzeugungsprognose (Wettervorhersage)

6.8 Ablauf des Day-Ahead Markt

  • Angebot nach variablen Grenzkosten
  • letztes eingesetztes Kraftwerk bestimmt Preis
  • Erneuerbare mit Grenzkosten 0€ drücken den Preis
  • Aber: EEG garantiert bestimmte Vergütung und tw. (private PV) Einspeisung \(\rightarrow\) negative Preise
  • Solarspitzengesetz für privat-PV: keine Vergütung bei negativen Preisen, Begrenzung auf 70% der Maximalleistung \(\rightarrow\) Speicher netzdienlich laden

Merit Order [22]

6.9 Redispatch

Höchstspannungsnetz [23]

Redispatch [24]
  • Stromhandel: Deutschland = eine Preiszone
  • Vernachlässigung der Übertragungskapazitäten (“Kupferplatte”)
  • Ausgleich identifizierter Engpässe durch ÜNB
  • Kosten werden auf Netzentgelte umgelegt (steigend, 2024: ca 1.8 Mrd. €)1 [25]
  • Gegenmaßnahmen:
    • Netzausbau Nord-Süd
    • Teilung von des deutschen Strommarktes in mehrere Preiszonen, die Übertragungskapazitäten berücksichtigen
      • Druck aus EU
      • Tendenziell geringer Strompreise im Norden, höhere im Süden
      • Befürchtung: Verlagerung von energieintensiver Industrie in den Norden
      • Preisunterschiede aber wahrscheinlich gering

7 Energiesystem der Zukunft

  • dezentralisierte Erzeugung
  • digitalisierte und marktwirtschaftliche Kopplung von Erzeugung und Verbrauch
  • Flexibilisierung von Verbrauch, insbesondere durch Sektorenkopplung
  • Kurzzeitspeicher: Batterien, Wärmespeicher
  • Langzeitspeicher: Wasserstoff (“Kalt-Dunkel-Flaute”)

8 Energiewende Zuhause

8.1 Smart-Meter

  • Smart-Meter nötig für dynamische Stromtarife
  • stockender Smart-Meter Rollout
    • Deutschland 5.5% [26]
    • Europa 63% Quote, Skandinavien, Frankeich, Spanien > 90% [27]
    • “500 der ca. 900 VNB hätten keine Smart-Meter installiert” [27]

Smart-Meter [28]
  • Gründe:
    • politisch bewusst verschleppter Rollout, Vorwand Datenschutzbedenken
    • Ineffizienzen bei kleinen VNB

8.2 CO2 Emmissionen / Strompreis überprüfen

und Verbrauch großer Geräte (Geschirrspüler, Waschmaschine, Trockner, E-Auto, Wärmepumpe) anpassen

8.3 dynamische Stromtarife

von wechselnden Strompreisen profitieren

  • macht vor allem Sinn, wenn große verschiebbare Lasten vorhanden (E-Auto, Wärmepumpe, Batteriespeicher)
  • Verpflichtung, dynamische Stromtarife (Day-Ahead-Preis) anzubieten
  • andere Tarifmodelle denkbar:
    • Tarife mit mehreren Preiszonen pro Tag
    • Tarife mit aktiver Ansteuerung des Ladevorganges bei E-Auto
    • noch wenig Anbieter (bisher Octopus Energy)

8.4 PV & Speicher

  • Kosten: ca. 15.000€ für 10kWp PV-Anlage, 10kWh Speicher & Elektroinstallation
  • pro kWp: ca. 1000 kWh Strom pro Jahr
  • Speicher nicht zu groß wählen, wichtig für Eigenverbrauch. Einfache Web-Tools hier, einfache Faustformeln hier
  • Reduktion des Strombezuges um 80%, geringe Vergütung von 0.07/€ kWh für eingespeisten Strom
  • sehr attraktiv in Kombination mit E-Auto oder Wärmepumpe: PV-Überschussladen

8.4.1 Netzdienlichkeit von privaten PV Anlagen

  • aufgrund fester EEG Vergütung fixe Einspeisung
  • -499.99€/MWh Börsenstrompreis am 1.Mai 2026
    • \(\rightarrow\) hier wird sich etwas ändern müssen
  • heutige mögliche Lösungen
    • mindestens: prognosebasierte Ladung
    • oder Integration in ein virtuelles Kraftwerk, z.B. bei Anbietern wie 1KOMMA5, attraktive Vergütung \(\rightarrow\) zukünftig sinnvollstes Modell
    • Wichtig: Orchestrierung & Kommunikation der Komponenten, des (dynamischen) Stromtarifes und Prognosen, viele einfache Anbieter bieten hier wenig.
      • zum Selbermachen: z.B. clever-pv, EVCC… (IT-Affinität nötig)
  • Zukünftig:
    • Bereitstellung von Systemdienstleistungen (Regelenergie, lokale Spannungshaltung)
    • Diskussion: indirekten Subventionierung durch Einsparung von Netzentgelten bei nur tw. reduzierter Infrastrukturnutzung (Sozialaspekt)

8.5 Alternative: Balkonkraftwerke

  • steckerfertige Solaranlagen zur Selbstmontage, 4kWp PV, 4kWh Speicher für 2000€
  • Speicher können auch mit dynamischen Stromtarifen arbeiten (Winter)
  • max. 800W Einspeisung, begrenzter Nutzen für E-Autos und Wärmepumpen
  • Interessante Anbieter:
    • Solakon (deutsche Server)
    • Ecoflow (flexibel platzierbar Speichermodule mit 1200W Steckdose)

8.6 Wärmepumpe

  • Wärmepumpen funktionieren in fast allen Bestandsgebäuden1
  • bei anstehendem Austausch über Laufzeit günstiger als Gasheizung
    • Beispiel: 20.000kWh Wärmebedarf, konservative Annahmen23:
      • über 15 Jahre:
        • Gasheizung: 46.300€4
        • Wärmepumpe: 37.500€5
      • perspektiv Strom gleich teuer oder günstiger (dynamische Tarif, Solaranlage)
      • perspektivisch Gas teurer (CO2-Preis, steigende Netzentgelte, “Biotreppe”)
  • bei vorzeitigem Austausch oft auch günstiger, v.a. bei älteren Heizungen (Wirkungsgrad) oder dynamische Tarife / PV
  • mein Tipp: erfahrener Betrieb & besonders effiziente Geräte (z.B. Lambda, Heliotherm)1

8.6.1 Alternative: Klima-Splitgeräte

  • gleich Funktionsweise und Wirkungsgrad wie Wärmepumpe
  • Nachteil: Luftzug, ungleichmäßige Wärmeverteilung
  • günstige Lösung, Einzelgeräte ab 1000€ bzw. 3500€ mit Einbau
  • mögliche Low-Budget-Lösung und Zusatznutzen im Sommer (Schutz vor Hitzewellen)

8.7 E-Auto

  • direkte Emissionen (aktuell): 150-200g \(\text{CO}_2\)/km Verbrenner vs. 60g \(\text{CO}_2\)/km 1 60g \(\text{CO}_2\) / km E-Auto
    • “Emissionsrucksack” von 20-70kg \(\text{CO}_2\)/kWH Batterie (je nach Herstellungsregion, Zahlen für 2030 [29])
  • Lebenszyklus-Emissionen deutlich geringer als von Verbrennern, ADAC-Tool2
    • 50.1t (Diesel) vs. 27.6t (E-Auto) vs. 14.9t (E-Auto nur Windstrom) [30]
    • weiteres Absinken (effizientere Produktion, fortschreitende Emissionsreduktion des Fahrstroms)
  • Klimanutzen bei Ersatz von Bestandsfahrzeugen ab ca. 7500km/Jahr [31]

8.7.1 E-Auto: Batterien

  • Lebensdauer unproblematisch
    • Wichtig: dauerhafte Ladestände > 80% und < 20% vermeiden
  • Rohstoff-Thematik entschärft sich in Zukunft:
    • neue Technologien (Lithium-Eisen-Phosphat (LFP), Natrium-Ionen-Batterien)
    • Recycling
    • meines Erachtens: geringere Umwelt- und soziale Auswirkungen als fossile Brennstoffe
  • weniger Wartungskosten, geringere Betriebskosten

Batteriedegradation VW ID.3 mit 58kWh Batterie. Degradation je nach Fahrprofil zwischen Pendler (blau) und Autobahn- (orange) Szenario [32]
  • bei Kauf eines E-Autos Batteriezertifikat (z.B. von aviloo) anfordern

9 Quellen

[1]
H. Ritchie, P. Rosado, and M. Roser, “CO₂ and greenhouse gas emissions,” Our World in Data, 2023.
[2]
H. Ritchie, P. Rosado, and M. Roser, “Data page: Share of electricity generated by low-carbon sources.” Part of the publication Energy, 2023. Accessed: May 06, 2026. [Online]. Available: https://archive.ourworldindata.org/20260427-150047/grapher/share-electricity-low-carbon.html
[3]
Agora Energiewende, “Die energiewende in deutschland: Stand der dinge 2025.” Accessed: May 06, 2026. [Online]. Available: https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2025
[4]
Climate Action Tracker, “Germany.” Accessed: May 06, 2026. [Online]. Available: https://climateactiontracker.org/countries/germany/
[5]
Climate Action Tracker, “The CAT thermometer.” Accessed: May 06, 2026. [Online]. Available: https://climateactiontracker.org/global/cat-thermometer/
[6]
H. Ritchie, M. Roser, and P. Rosado, “Renewable energy,” Our World in Data, 2020.
[7]
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[8]
Thünen-Institut, “Energie vom acker: Mit windkraft und photovoltaik geht’s am besten.” Accessed: May 06, 2026. [Online]. Available: https://www.thuenen.de/de/newsroom/detail/default-443e059cd7
[9]
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, “Energy-charts.” Accessed: May 06, 2026. [Online]. Available: https://www.energy-charts.info/
[10]
G. Rueter, “Batterien oder e-fuels: Was ist besser?” Accessed: May 07, 2026. [Online]. Available: https://www.dw.com/de/batterien-oder-e-fuels-was-ist-besser-synthetische-kraftstoffe-e-mobilit%C3%A4t/a-61283790
[11]
Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V., “Mediengalerie: grafiken.” Accessed: May 07, 2026. [Online]. Available: https://www.waermepumpe.de/presse/mediengalerie/grafiken/
[12]
BDEW, “Interaktive grafik: Energieflüsse von primär- bis nutzenergie.” Accessed: May 07, 2026. [Online]. Available: https://www.bdew.de/energie/nutzenergiebilanz/
[13]
H. Ritchie, “Electrification is efficiency: The world will need less energy after the transition.” Accessed: May 07, 2026. [Online]. Available: https://hannahritchie.substack.com/p/electrification-energy-efficiency
[14]
J. Rosenow, “Have we been duped by the primary energy fallacy?” Accessed: May 07, 2026. [Online]. Available: https://medium.com/@jan.rosenow/have-we-been-duped-by-the-primary-energy-fallacy-167f53c58961
[15]
H. Ritchie and P. Rosado, “Battery costs have declined by 99,” Our World in Data, 2026.
[16]
I. Sturz, “Bidirektionales laden – gamechanger unseres energiesystems.” Accessed: May 07, 2026. [Online]. Available: https://blog.iao.fraunhofer.de/bidirektionales-laden-gamechanger-unseres-energiesystems/
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[20]
K. Stratmann, “Energiewende: Braucht deutschland wirklich 851 stromnetzbetreiber?” Accessed: May 02, 2026. [Online]. Available: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energiewende-braucht-deutschland-wirklich-851-stromnetzbetreiber-01/100220550.html
[21]
Next Kraftwerke GmbH, “Was ist ein power purchase agreement (PPA)?” Accessed: May 02, 2026. [Online]. Available: https://www.next-kraftwerke.de/wissen/power-purchase-agreement-ppa
[22]
Next Kraftwerke GmbH, “Was bedeutet merit-order?” Accessed: May 02, 2026. [Online]. Available: https://www.next-kraftwerke.de/wissen/merit-order
[23]
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[24]
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[26]
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[28]
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[29]
Green NCAP, “Estimated greenhouse gas emissions and primary energy demand of passenger vehicles – 2nd edition: Life cycle assessment methodology and data,” Green NCAP, 2022. Accessed: May 07, 2026. [Online]. Available: https://assets.adac.de/image/upload/v1670942436/ADAC-eV/KOR/Text/PDF/Green-NCAP-Life-Cycle-Assessment-Methodology-and-Data_2nd-edition_20_286_29_awznk2.pdf
[30]
T. Kroher, “Treibhausgas-bilanz: Welcher antrieb kann das klima retten?” Accessed: May 07, 2026. [Online]. Available: https://www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/alternative-antriebe/klimabilanz/
[31]
R. Bianchetti, B. Cox, E. Böwing, and I. Meyer, “Kaufentscheid: Wann es sich lohnt, auf ein elektroauto umzusteigen,” INFRAS. Accessed: May 07, 2026. [Online]. Available: https://www.infras.ch/media/filer_public/de/f2/def2625c-baed-4e92-95ca-49739d4f77fa/3901a_kaufentscheid_elektroautos_schlussbericht.pdf
[32]
M. Schreiber et al., “Understanding lithium-ion battery degradation in vehicle applications: Insights from realistic and accelerated aging tests using Volkswagen ID.3 pouch cells,” Journal of Energy Storage, vol. 112, p. 115357, Mar. 2025, doi: 10.1016/j.est.2025.115357.
[33]
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[34]
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[35]
Next Kraftwerke GmbH, “Was ist ein bilanzkreis?” Accessed: May 02, 2026. [Online]. Available: https://www.next-kraftwerke.de/wissen/bilanzkreis

10 Backup-Folien

10.1 Exkurs: Wandelbarkeit von Energie

  • Wirkungsgrad: \(\eta=\frac{Nutzen}{Aufwand}\)
  • Thermodynamik, N.Carnot (1824): Wärme ist nicht uneingeschränkt in Arbeit wandelbar
  • Arbeit dahingegen vollständig in Wärme wandelbar
  • Beispiele
    • Wasserkocher: Strom (Arbeit) \(\rightarrow\) Wärme: 100% Wirkungsgrad
    • Auto mit Verbrennungsmotor: chemische Energie in Form von Wärme \(\rightarrow\) Antrieb: ~30-40% Wirkungsgrad
  • je höher die Temperatur der Wärme, desto wertvoller (mehr Arbeit erzeugbar, Carnot-Faktor)

10.2 Klassiker: Kombi-Kraftwerke

  • Grundlagen:
    • Wärme nie uneingeschränkt in Arbeit wandelbar
    • Arbeit dahingegen immer vollständig in Wärme wandelbar
    • Wärme stellt (je nach Temperatur) niedrigst-wertvollste Energieform dar
  • Kraftwerke mit Wärmeauskopplung (Fernwärme)
    • Gas-und-Dampfkraftwerk (GuD) bis ca. 65% Wirkungsgrad [33]
    • Blockheizkraftwerke (BHKW) bis ca. 50% Wirkungsgrad [34]
    • mit Wärmenutzung (Fernwärmenetz) bis 90% Nutzungsgrad
    • strombasierte oder wärmebasierte Steuerung
    • Flexibilisierung durch Wärmespeicher
  • neue Motoren und Turbinen prinzipiell mit Wasserstoff möglich
    • 20 Vol-% Wasserstoff sind nur x% CO2-Reduktion, da \(\text{H}_2\) nur x/x der Energiedichte von Erdgas hat
    • \(\rightarrow\) nur 100% Wasserstoff ist klimaneutral!

10.3 Leistung und Energie

  • Leistung und Energie ist etwas unterschiedliches!

  • Energie: Arbeit, die verrichtet wurde [in W oder kW]

  • Leistung: Geschwindigkeit der Arbeitsverrichtung [in Wh, kWh, MWh]

  • am gebräuchlichsten: kWh - kilowatthour (Kilowattstunde)

  • Zusammenhang: \(E = \int P(t) dt\)

  • Rechenbeispiele

    • 1h E-Auto laden mit 11kW
      • \(11 \text{kW} \cdot 1\text{h} = 11 \text{kWh}\)
    • 5min Wasserkocher mit 2000W
      • \(2000 \text{W} \cdot 5/60\text{h} = 166 \text{Wh} = 0.166 \text{kWh}\)
  • Strompreis privat: ca. 0.3€/kWh

  • ÜNB als Wächter der Netzstabilität
    • Bilanzkreis: virtuelles Energiemengenkonto eines Energiehändlers [35]
      • Einspeisung
      • Entnahme
    • Bilanzkreisverantwortliche reichen Fahrplan einen Tag vorher ein
    • ÜNB überprüfen Fahrplan
    • Basierend auf Fahrplänen: Lastflussrechnungen identifizieren Engpässe
    • Unstimmigkeiten: werden von ÜNB durch (teuere) Ausgleichsenergie behoben

Link zur Grafik [12]

EEG-Zahlungen [25]

Strom Aufkommen 2024 [25]

Zusammensetzung privater Strompreise [25]

Kosten der Systemdienstleistungen [25]

Das “Atomenergie-Paradox”

Energieeffizienz bewirkt größere Fortschritte als man denkt